Für eine soziale Ökologie der Techniken

»Kommunotechnie« bezeichnet die Fähigkeit von menschlichen Gesellschaften, Techniken im Dienste des Gemeinsamen (le commun) zu entwerfen, herzustellen und zu benutzen. Es ist nicht ein simpler Überbegriff, sondern der Versuch, der Technik wieder eine Sinnhaftigkeit als eine intrinsisch politische und kollektive Dimension des sozialen Lebens zu geben.

Sie verweist auf eine zentrale Idee: Die Techniken sind nicht neutral. Sie formen die Arten, wie wir produzieren, wohnen, wahrnehmen und zusammenarbeiten. Die Kommunotechnie fragt daher nach der Möglichkeit, das Know-how, die Werkzeuge und die Organisationsmodelle im Hinblick auf demokratische, konviviale und emanzipatorische Formen neu zu erfinden.

Damit schreibt sie sich in das Projekt der sozialen Ökologie ein: verstehen, dass die ökologischen Krisen nicht vorrangig ein technisches Versagen sind, sondern die Symptome einer sozialen und politischen beziehung, der auf Herrschaft gründet – der Gesellschaft über die Natur, aber auch von Menschen über Menschen. Alle hundertfach verschlimmert durch die politische Ökonomie und ihren modus operandi: dem unbeschränkten Streben nach der Inwertsetzung von Wert. Die Kommunotechnie tut sich hier als Horizont auf, der zur kollektiven Emanzipation beiträgt, indem sie Produktion, Autonomie und Demokratie miteinander versöhnt.

Eine Praxis des Gemeinsamen

Die Kommunotechnie reduziert sich weder auf ein Studiengebiet, noch auf eine bloße Kritik an der modernen Technologie. Sie bezeichnet in erster Linie eine Praxis – ein Ensemble von kollektiven Praktiken, mit denen sich Gemeinschaften organisieren, um wieder die Oberhand über die technischen Mittel ihrer Existenz zu erlangen.

Sinnhaft wird diese Praxis in den gemeinsamen Macher*innen-Werkstätten, in den Kooperativen, in den Netzwerken der gegenseitigen Hilfe oder in den populären Versammlungen: dort, wo sich eine kollektive Intelligenz selbst erfindet, verankert im Territorium, bedacht auf soziale Gerechtigkeit und politische Autonomie.

Die Kommunotechnie, so verstanden, verbindet Aktion und Reflexion. Sie stößt einen Prozess der permanenten Deliberation über die Mittel und Zwecke an: Warum produzieren wir? Für wen? Mit wem? Und wie?

Eine Kritik der heteronomen Technologie

Angesichts des wachsenden Einflusses zentralisierter, automatisierter und extraktivistischer Systeme, schlägt sie Kommunotechnie eine Kritik dessen an, was Lewis Mumford die »autoritären Techniken« genannt hat. Diese Techniken setzen eine hierarchische Organisation, eine extreme Arbeitsteilung, eine Machtkonzentration und die Abhängigkeit von massiven Infrastrukturen voraus. Sie verkörpern ein heteronomes Modell, in dem individuen zu Rädchen in einem Produktionsapparat werden, den sie nicht mehr kontrollieren.

Umgekehrt erlauben die »demokratischen Techniken« – basierend auf Kooperation, Partizipation und die lokale Kontrolle der Produktionsmittel –, die technische Aktivität in das lebendige Gewebe der Gemeinschaften einzuschreiben. Sie ermöglichen eine kollektive Rekonstruktion des Wissens und der Werkzeuge, und sie fördern autonome politische Formen.

Die Kommunotechnie situiert sich in dieser Spannung: Sie verdammt nicht die Technik an sich, aber sie versucht zu verstehen, wie jede technische Form eine Gesellschaftsform prägt. Sie lädt dazu ein, in der Wahl der Organisation und der Produktion die Keime der Herrschaft oder der Emanzipation zu erkennen, die sie in sich tragen.

Ein ethischer und politischer Horizont

Die Kommunotechnie öffnet einen ethischen und politischen Horizont, der die Art und Weise hinterfragt, wie Gesellschaften ihre Überlebensgrundlagen produzieren und reproduzieren. Sie zielt nicht nur darauf ab, die Techniken zu transformieren, sondern die Beziehungen zwischen den Menschen und der Natur, zwischen Arbeit und Autonomie, zwischen Bedürfnissen und Begehren neu zu denken.

Sie lädt dazu ein, eine Reihe von Fragen zu stellen: Vermehrt eine Technik die Freiheit derjenigen, die sie einsetzen? Begünstigt sie die Autonomie der Gemeinschaften, die sie entwickeln? Erlaubt sie eine kollektive und demokratische Verwaltung der Ressourcen? Trägt sie dazu bei, die Solidarität, die Gerechtigkeit und die Kooperation zu stärken?

Mit dieser Perspektive steht die Kommunotechnie in der Verlängerung der Kritik an sämtlichen Formen der Herrschaft – ökonomische, politische, kulturelle, aber auch patriarchale. Diese Herrschaftsformen wurzeln in hierarchischen gesellschaftlichen Strukturen, wobei die moderne, zentralisierte und kommerzialisierte Technologie oft sowohl ihr Produkt, als auch ihre Trägerin ist.

Indem sich die Kommunotechnie auf Praktiken der Kooperation, der Gegenseitigkeit und des Teilens stützt, strebt sie eine Gesellschaft der Sorge, der technischen Freigiebigkeit und des Gemeinsamen an. Eine Gesellschaft, in der die Aktivitäten der Reproduktion, der Unterstützung und der Fürsorge – ob es sich um Ernährung, Bildung, Care oder den Erhalt von Ökosystemen handelt – nicht mehr an den Rand gedrängt werden, sondern zum eigentlichen Zentrum der gesellschaftlichen Organisation werden.

Die Gesellschaft der Sorge und des Gemeinsamen ist nicht eine Gesellschaft der Abhängigkeit, sondern der geteilten Verantwortung. Sie beruht auf einer Anerkennung der Interdependenz der Lebenden – auf einer Ethik der Komplementarität und der Gleichheit der Ungleichen – und auf der Notwendigkeit, die Bedingungen eines gemeinsamen, nachhaltigen Lebens zu bewahren. Sie impliziert eine Reevaluation der Wertschöpfung und der Kritierien des Reichtums, indem sie das kollektive Wohlergehen klar über irgendeine wirtschaftliche Effizienz stellt.

Die Kommunotechnie als poplitischer Wille

Die Kommunotechnie ist weder ein Programm, noch ein fixes Modell. Sie definiert sich als ein politischer Wille: als Wille, die technische Produktion auf Organisationsformen auszurichten, die auf direkter Demokratie, Kooperation und ökologischer Verantwortung beruhen.

Sie will nicht die Natur der Kultur entgegensetzen, sondern diese künstliche Trennung überwinden. Indem sie anerkennt, dass jede Technik eine bestimmte Beziehung zur Welt darstellt, lädt sie dazu ein, aus der technischen Schöpfung einen Raum der politischen Deliberation zu machen.

So ruft die Kommunotechnie zu einer Transformation unseres Imaginären auf: entwerfen, reparieren, weitergeben, teilen wird zu einer politischen Geste. Die Neugestaltung der Gesellschaft führt über die kollektive Rekonstruktion der Fähigkeit des Produzierens und Entscheidens.

Fern davon, die Technik zurückzuweisen, definiert sie ihren Sinn neu. Sie strebt danach, aus Instrumenten der Abhängigkeit Werkzeuge der Emanzipation zu machen: nicht länger Technologien im Dienst des Wachstums, sondern Techniken im Dienst des Gemeinsamen.

Übersetzt von: MarekS


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